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Der Traum von der Wasserstoffwirtschaft


Die Idee ist auf den ersten Blick bestechend:

Wir spalten in sauberen Kraftwerken (Geothermie, Windkraft, Wasserkraft, Solarenergie) Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff. Der Wasserstoff wird mit Pipelines oder Tankwagen an Haushalte und Tankstellen verteilt, wo er entweder:
  • in Verbrennungsmotoren Autos antreibt,
  • Heizungen befeuert,
  • durch Brennstoffzellen in dezentralen Kleinkraftwerken und sogar in jedem Haus Haushaltstrom erzeugt oder
  • durch Brennstoffzellen Elektroautos oder Hybridautos antreibt.
Wir könnten uns mit einer Wasserstoffwirtschaft von der Abhängigkeit des teuren Öls zu befreien und den CO2-Ausstoß auf Null senken. Technisch wäre das möglich. Das Problem: Es wäre in den meisten Bereichen zu teuer - mit Ausnahme des Einsatzgebietes als Zwischenspeicher erneuerbarer Energie.

Wasserstoff - ungelöste Probleme bei Fahrzeugen


Bei all den Vorteilen des Wasserstoffs gerät man leicht in Euphorie, wenn man die Nachteile nicht berücksichtigt. In der Schriftenreihe "Technologiefolgeabschätzung" des Forschungszentrums Karlsruhe schrieb in der Ausgabe vom April 2006 Ulf Bossel von der Universität Berkeley "Wasserstoff löst keine Energieprobleme".

Robert Zubrin rechnet in "The Hydrogen Hoax" vor, warum eine Wasserstoffwirtschaft (noch) nicht praktisch umsetzbar ist. Stellvertretend für so viele ratlose Experten propagiert Zubrin eine Lösung, die lediglich ein Problem durch noch größere Probleme ersetzt. In diesem Fall sieht er die Lösung in Methanol
(25 x schädlicheres Treibhausgas als CO2) und Ethanol/Biokraftstoffen (Konkurrenz mit Nahrungsmitteln).

Wenn es Ihnen gelingt, Lösungen für diese Probleme zu finden, mailen Sie sie uns bitte! Die ddp ist sofort dabei, wenn eine realistische Chance für die Alltagstauglichkeit und Bezahlbarkeit von Wasserstoff besteht!

Bis es so weit ist, muß eine Übergangslösung für Langstreckenfahrten her. Könnten Brennstoffzellen eine solche Lösung sein?

Brennstoffzellen


Das Bild unten links zeigt eine voll funktionsfähige Brennstoffzelle. Die "Abgase" einer Brennstoffzelle bestehen fast ausschließlich aus Wasserdampf (daher der Schlauch zum Wasserglas auf dem Bild).
Auf dem rechten Bild sehen Sie die Brennstoffzelle eines Opel Zafira "HydroGen3", dessen Elektromotor
94 kW / 128 PS leistet.

brennstoffzelle wikipedia
Funktionsmodell einer Brennstoffzelle
brennstoffzelle Zafira 95kW
Brennstoffzelle für Opel Zafira HydroGen3, 94 Kilowatt


Brennstoffzellen wandeln Wasserstoff in Strom um, der wiederum den Elektromotor antreibt. Den Wasserstoff könnte man an der Tankstelle mit einer simplen Elektrolyse-Einheit durch Strom aus Wasser erzeugen.

Energieexperte Ulf Bossel schreibt dazu:
"Eine Autobahntankstelle, die heute täglich etwa
60.000 Liter Benzin oder Diesel verkauft, hätte (zur Erzeugung einer entsprechenden Menge Wasserstoff) einen elektrischen Leistungsbedarf von mindestens
26 Megawatt und würde 107 Kubikmeter
Wasser täglich benötigen." (mehr)
Wasserstofftankstelle BerlinWasserstofftankstelle in Berlin
Bild: Achmed Kammas  

Für jede Tankstelle ein Kraftwerk?


Um diese 26 Megawatt sauber zu erzeugen, müßte jede Autobahntankstelle entweder über
  • ein eigenes Solarkraftwerk (mindestens 260.000 qm Solarmodule) oder
  • ein Windkraftwerk (mindestens 6 der größten Windräder, incl. Puffer für Windflauten sogar über ein Dutzend Großwindräder) oder
  • ein Geothemie-Kraftwerk in der Größenordung des Unterhachinger Kraftwerks verfügen (wobei ein solches Kraftwerk keine Heizwärme, sondern ausschließlich Strom produzieren müßte).
Abgesehen vom Flächenbedarf und der technischen Eignung des Standortes entstünde durch solch große Kraftwerke ein Kostenproblem. Wenn man nur die reinen Kosten des Kraftwerks (ohne Gewinn) auf den Wasserstoffpreis umlegt, kostet jede Tankfüllung Wasserstoff ein Vermögen.

Wenn man den Wasserstoff an anderer Stelle erzeugte, müßten lt. Berechnung von Ulf Bossel täglich 51 Wasserstoff-Tanklastwagen jede Autobahntankstelle beliefern. Zum logistischen Aufwand kommen die Kraftwerkskosten hinzu. Auch ein Pipeline-Netz von den Kraftwerken zu den Tankstellen wäre enorm teuer.

Damit ist Wasserstoff für den massenhaften Einsatz in Kraftfahrzeugen leider nicht geeignet.


Zwischenspeicher für erneuerbare Energie


Die Erzeugung von Wasserstoff ist (nach heutigem Stand der Technik) zu teuer, wenn er (z.B. für den Einsatz in Fahrzeugen) eigens hergestellt wird. Ganz anders sieht es als Zwischenspeicher für erneuerbare Energie aus, vor allem für Windenergie. 2008 erzeugten Windkraftanlagen nur 7% des in Deutschland verbrauchten Stroms. Bläst zu viel Wind, werden viele Anlagen abgeschaltet, weil mehr Strom erzeugt wird, als verbraucht werden kann.

Und hier kommt Wasserstoff ins Spiel: Statt die Anlagen abzuschalten, lassen wir sie einfach weiter laufen und mit dem erzeugten Strom Wasserstoff produzieren. Der Wasserstoff wird in Tanks in unmittelbarer Nähe der
Windkraftanlagen zwischengespeichert und durch Kleinkraftwerke genau dann in Strom umgewandelt, wenn die Stromnachfrage die Menge des aus Windkraft erzeugten Stroms übersteigt.

Wasserstoff ist in diesem Fall kostengünstig, weil er nicht lange gelagert und überhaupt nicht transportiert werden muß. Er ist zudem günstig, weil die technischen Anlagen zur Erzeugung von Wasserstoff so simpel und billig sind. Und er ist vor allem günstig, weil der aus der Windenergie erzeugte Strom so gut wie nichts kostet. Lediglich der erhöhte Verschleiß der 
Windkraftanlagen in den zusätzlichen Betriebsstunden verursacht Kosten, allerdings in vernachlässigbar geringer Größenordnung.